Zum Thema und zur Vorbereitung der Veranstaltung am 21. November in Bad Hersfeld verlinken wir hier zur Studie

Entwicklung von Altersarmung in den Landkreisen
Fulda, Hersfeld-Rotenburg, Vogelsberg und Main-Kinzig-Kreis

Studie in Zusammenarbeit mit dem Osthessischen Bündnis gegen Altersarmut

Download der kompletten Studie (41 Seiten)

Einleitung:

Deutschland schaut in den letzten Jahren auf einen sich positiv entwickelnden Arbeitsmarkt mit stabilen ökonomischen Rahmenbedingungen, wachsenden Beschäftigungschancen und einer vergleichsweise geringen Zahl an arbeitslosen Menschen. Folglich kann ein großer Teil der Bevölkerung über Erwerbsarbeit am erarbeitenden Wohlstand partizipieren. Auch das bundesdeutsche System der sozialen Sicherung muss insgesamt als sehr umfassend bezeichnet werden. Es genießt international einen sehr guten Ruf und hat sich in der Vergangenheit auch in schwierigen Zeiten (siehe z.B. die zurückliegende Finanz- und Wirtschaftskrise) gut bewährt. Schon an dieser Stelle stellt sich die Frage, aus welchem Grund Armut und besonders Altersarmut ein Thema ist, welches zurzeit häufig und vor allem kontrovers in unserer Gesellschaft diskutiert wird.

Da beispielsweise die Armuts- und Reichtumsberichte der Bundesregierung zusammenfassend eine steigende Armutsrisikoquote belegen, verschiedenste Organisationen das Armutsthema als ein Problem regelmäßig anmahnen (so z.B. Paritätischer Wohlfahrtsverband oder der Bundesverband Deutsche Tafel e.V., der eine gestiegene Zahl der zu versorgenden Personen konstatiert) und auch wissenschaftliche Untersuchungen verschiedene Problembereiche aufzeigen, ist an dieser Stelle eine vertiefende Analyse geboten. Somit geht es in erster Linie nicht um einen Diskurs zu absoluter Armut bzw. dementsprechender Armutsrisiken, sondern um den Vergleich der Lebensstandards bzw. Möglichkeiten unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppierungen eines Landes, deren Ex- bzw. Inklusion und folglich um individuelle und auch in Deutschland sehr unterschiedlich verteilte Partizipationschancen. Als typische Armutsbetrachtung in einer modernen Gesellschaft wird daher die sog. „relative Armut“ bzw. das „relative Armutsrisiko“ zugrunde gelegt.

Ergänzend zu den vorherigen Feststellungen soll betont werden, dass der quantitative Aufwuchs der zuvor skizzierten Beschäftigungsmöglichkeiten mit einer sich wandeln-den Arbeitslandschaft einhergeht. Bei einer nahezu gleichbleibenden Zahl an unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeitsverhältnissen, sind es eher atypische Beschäftigungsformen (wie Teilzeit, Arbeitnehmerüberlassung, befristete und / oder geringfügige Beschäftigung, Soloselbständigkeit), die den Beschäftigungsaufwuchs der letzten Jahre prägten. Die jüngsten Diskussionen um den Mindestlohn im Kontext wachsender Niedriglohnbeschäftigung der letzten Jahre sowie dessen Einführung weist ebenso auf einen problembehafteten Bereich hin. Was auf der einen Seite die Chancen zur Teilhabe am Arbeitsleben verbessern kann, führt auf der anderen Seite zu instabileren Erwerbsbiografien, einem stark segmentierten Arbeitsmarkt und in nicht wenigen Fällen zu individuellen materiellen Schwierigkeiten. In diesem Kontext muss konstatiert werden, dass das Wirtschaftswachstum nicht allen Menschen gleichermaßen zugutekommt und – entgegen der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung – immer mehr Menschen von Armut betroffen bzw. künftig bedroht sind. Diese Problematik kann sich im Zuge einer sich ändernden Arbeitswelt und aufgrund unseres „lohnzentrierten Sicherungssystems“ noch verschärfen, sodass die atypisch Beschäftigten von heute in größerem Umfang zu den „Altersarmen“ von morgen werden könnten.

Ausgehend von seinen Zielsetzungen wurde in Kooperation mit dem “Osthessischen Bündnis gegen Altersarmut“ insbesondere die regionale Entwicklung der Altersarmut der Landkreise Fulda und Hersfeld-Rotenburg sowie des Vogelsberg- und des Main-Kinzig-Kreises genauer in den Blick genommen. Anhand der sich bereits jetzt abzeichnenden Veränderungen des regionalen Arbeitsmarktes, der zunehmenden Problematik von geringen Einkommen (Stichwort: Niedriglohn) und der damit zusammenhängenden Rentenfinanzierung sowie im Kontext der Entwicklungen des demographischen Wandels wird angestrebt, die zu erwartenden oder zu vermutenden Einflüsse auf die Lebenslage im Alter regional zu analysieren und zu projizieren. Eine zentrale Frage lautet daher: Verhindert eine gute Arbeitsmarktsituation Altersarmut oder verdeckt eine solche Entwicklung gar regionale Probleme?

Ziel dieser Untersuchung ist es somit, einen Ist-Zustand in der Region als Ergebnis von Entwicklungsprozessen darzustellen und diesen im Kontext der bundesdeutschen Situation zu analysieren. Zudem sollen anhand verschiedener Faktoren, die das Risiko der Altersarmut nachweislich erhöhen, mögliche Problembereiche für die genannten Landkreise aufgezeigt werden.

Eine sekundärstatistische Analyse vorhandener und mitunter für andere Zwecke bereitgestellter Daten (Verwaltungsvollzugsdaten, Monitoring, turnusmäßige Berichter-stattungen etc.) erfordert dazu Bezugspunkte in räumlich/territorialer Weise und im Hinblick auf die zu fokussierenden Indikatoren. Es war zunächst zu recherchieren, wel-che Indikatoren überhaupt und auf welcher räumlichen Ebene vorhanden bzw. generiert werden könnten. Danach war zu untersuchen, welche arbeitsmarktlichen Indikatoren Hinweise auf eine künftig wachsende Altersarmutsproblematik geben könnten. Diese Indikatoren wurden dann entsprechend ausgewertet und aufgearbeitet. Schließlich wurden aktuelle und künftige Problembereiche identifiziert und mögliche Handlungsimpulse dargestellt.