Pressemitteilung, 30.11.2017

Depression lässt sich nicht mit dem Internet bekämpfen

 

Anlässlich der Pressekonferenz zum neuen Behandlungsangebot „Blended Therapy“ der Landesregierung erklärt Marjana Schott, gesundheitspoltische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag:

„Die Landesregierung hat ein neues Konzept der Techniker Krankenkasse vorgestellt, das mit fast fünf Millionen Euro durch den Innovationsfonds gefördert wird. Patienten mit Depressionen oder Angsterkrankungen erhalten eine internetgestützte Behandlung durch einen Hausarzt, flankiert von regelmäßigen Anrufen einer medizinischen Fachangestellten. Damit soll Zeit bei Ärzten eingespart werden und die Patienten mit therapeutischen Übungen selbst an ihrer Gesundung arbeiten, statt dass sie lange auf eine kostenträchtigere Psychotherapie warten.

Dies sei eine Bankrotterklärung der Gesundheitsversorgung. Der eklatante Mangel an Fachärztinnen und -ärzten, Psychotherapeuten und Psychologinnen stehe seit Jahren den immer schneller steigenden Zahlen psychischer Erkrankungen gegenüber. Wachsender Leistungsdruck, Arbeitslosigkeit auf der einen, Überlastung auf der anderen Seite, sich rasant verändernde Lebensumstände und Zukunftsangst seien die gesellschaftlichen Ursachen. Statt diese zu beheben, rase unsere Gesellschaft, politisch gewollt, weiter in Stress und Krankheit. Nicht einmal genügend Fachpersonal gebe es, um den Erkrankungen, die nicht selten tödlich enden, zu begegnen.

Schott: „Es gibt elend lange Wartelisten für psychotherapeutische Behandlungen. Hier muss die Politik eingreifen und endlich die Zulassungsbeschränkungen aufheben. Es ist anerkannt, dass gerade bei diesen beiden Erkrankungen gute Heilungserfolge durch Psychotherapie zu verzeichnen sind. Diese Möglichkeit sollten alle Patienten haben, die es wollen und für die sie geeignet ist.

Digitale Unterstützung kann in verschiedenen Formen der Therapie eingesetzt werden, vor allem zum Ende einer Therapie hin, niemals aber den Facharzt oder die Psychotherapeutin ersetzen. Hessens Sozialminister Stefan Grüttner sollte seine Aufgabe ernst nehmen und das Thema Ärztemangel ganz oben auf seine to do Liste nehmen, satt weg zu schauen und Placebos zu verteilen.“