Pressemitteilung, 08. November 2017

Erschreckende Zustände im Seniorenzentrum: Mehr Personal in der
Altenpflege zur Verhinderung von Missständen notwendig

 

Zur Reportage des RTL-Magazins EXTRA, das erschreckende Zustände im Seniorenzentrum des
Deutschen Roten Kreuzes in Mühheim am Main aufgedeckt hat, erklärt Marjana Schott,
gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag:

 

„Die Fernsehreportage über das Seniorenheim in Mühlheim zeigt schreckliche Zustände. Niemand
kann sich vorstellen, dass er selbst oder seine Angehörigen so gedemütigt und erniedrigt werden,
wie das in dem Beitrag zu sehen ist. So etwas darf es in hessischen Pflegeheimen nicht geben. Die
Heimaufsicht ist gefordert, nicht nur bei bereits in der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Mängeln
aktiv zu werden, sondern dafür zu sorgen, dass so etwas nicht geschieht. Hier ist auch Hessens
Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) in der Verantwortung.“

Mängel aufzudecken und abzustellen reiche jedoch nicht, so Schott. Die Politik sei dringend
gefordert, hier grundsätzlich umzusteuern. Die Pflege sei völlig unterfinanziert, das Pflegepersonal
unter den schwierigen Arbeitsbedingungen überfordert.

Schott: „Die Pflegesätze sind zu niedrig, es gibt zu wenig Personal sowie eine enorme
Arbeitsverdichtung und niedrige Löhne. Um auf die individuellen Bedürfnisse der Pflegebedürftigen einzugehen, bleibt kaum noch Zeit. Pflege ist aber keine Fließbandarbeit. Sie ist eine wichtige Arbeit und muss die Menschenwürde wahren.

Notwendig ist die schnelle Einführung einer Personalmindestverordnung für die Altenpflege.
Niemand darf allein nachts im Wohnbereich arbeiten und 50 Prozent des Personals müssen
Fachkräfte sein. Der Pflegemindestlohn muss erhöht und der Beruf insgesamt aufgewertet werden,
damit wieder mehr Pflegekräfte gewonnen werden können. Viel zu viele hängen den Beruf an den
Nagel oder reduzieren ihre Arbeitszeit, weil sie die Zustände nicht mehr aushalten.“