Pressemitteilung, 24.01.2018

Woolrec-Skandal: Politisch Verantwortliche im Regierungspräsidium Gießen gehören mit auf die Anklagebank

 

Mehr als fünf Jahre nach der Schließung der Mineralfaser-Firma Woolrec beginnt am Landgericht Gießen der Prozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer sowie einen Gutachter der Universität Gießen. Dazu erklärt Marjana Schott, umwelt- und verbraucherpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag:

„Der Woolrec-Umweltskandal ist nicht nur ein Beispiel für unternehmerischen Betrug, sondern auch für mangelnde Kontrolle und eklatantes Behördenversagen. Das Regierungspräsidium Gießen ist in vielen Fragen erst aufgrund der Berichterstattung und der Hartnäckigkeit des Hessischen Rundfunks, nicht aber nach Beschwerden von Anwohnerinnen und Anwohnern aktiv geworden.

Hier gibt es Parallelen zu dem Umgang mit der Marburger Rohstoffverwertung Johannes Völker GmbH. Auch dort dauerte es viele Jahre, bis das RP Gießen aktiv wurde. Der Fall zieht sich bis heute hin.“

Bereits Jahre vor der Schließung von Woolrec 2012 hätten Anwohner Zweifel an der Unbedenklichkeit des Produktes Woolit sowie an dessen Herstellungsprozess geäußert, so Schott. Diesen begründeten Befürchtungen sei das Regierungspräsidium viel zu spät nachgegangen.

Schott: „Schon 2012 ist der Eindruck entstanden, dass die Behörden Zweifel an der Umweltfreundlichkeit von Woolrec ignorierten und lieber dem Gutachter Glauben schenkten, der zugleich Mitentwickler des Produktes war. Bemerkenswert: Auch Dämmstoffe aus den Atomkraftwerken Biblis und Stade wurden bei Woolrec in Tiefenbach verarbeitet.

Die Arbeit des RP Gießen muss deutlich hinterfragt werden und im Fall Woolrec gehören die politisch Verantwortlichen sicher mit auf die Anklagebank.“