Pressemitteilung, 22. März 2017

Ärztliche Versorgung – Landesregierung gibt keine Hilfen mehr

Zur Zwischenbilanz des „Hessischen Gesundheitspaktes 2.0“ nach zwei Jahren erklärt Marjana Schott, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag:

„Die hausärztliche Versorgung ist in einigen Regionen Hessens bereits jetzt problematisch. Wenn allerdings in den nächsten Jahren etwa 2000 Ärztinnen und Ärzte in Rente gehen, werden viele Arztpraxen verwaist zurückbleiben. Es wird dann noch schwieriger, einen Hausarzt oder eine Hausärztin zu finden. Das Herzstück des Pakts war deshalb eine Förderung der Ansiedlung von Ärzten, an der das Land sich finanziell beteiligt hat. Diese Beteiligung hat die Landesregierung aber nun klammheimlich eingestellt. Inzwischen finanzieren hier nur noch die kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen. 800.000 Euro pro Jahr stehen aus dem Strukturfonds zur Verfügung, pro Kassensitz bis zu 66.000 Euro.“

51 Hausarztsitze, sieben Facharztsitze und 17,5 Sitze für Kinder- und Jugendpsychiater seien als förderfähig anerkannt. Das bedeute, die vorhandenen Beträge würden nie ausreichen, wenn genügend Ärzte gefunden würden. Besonders deutlich sei der Bedarf im Landkreis Darmstadt-Dieburg (12,5 Hausarztsitze), im Landkreis Offenbach (neun Hausarztsitze) und im Kreis Groß-Gerau (6,5 Hausarztsitze). In Osthessen gebe es überhaupt keine Kinder- und Jugendpsychiater, in der Region Starkenburg nur einen.

Schott weiter: „Die Landesregierung sollte Kommunen und kommunale Kliniken dabei unterstützen, Arztsitze aufzukaufen und medizinische Versorgungszentren zu gründen. Junge Ärztinnen und Ärzte ziehen oft eine feste Anstellung einer freiberuflichen Tätigkeit vor. Sie möchten kollegial in einem Team und nicht als Einzelkämpfer in einer ländlichen Kommune rund um die Uhr tätig sein. Sie möchten den Arztberuf mit dem Familienleben vereinbaren können. Das Modell des Hausarztes mit der Ehefrau als Arzthelferin hat weitgehend ausgedient.“