Pressemitteilung, 15.8.17

Rückbau Atomkraftwerk Biblis: Müll mit zu hoher Strahlung soll auf Deponien im Kreis Bergstraße gelagert werden

Zur gestrigen Sitzung des Informationsforums zum Kernkraftwerk Biblis erklärt Marjana Schott, umwelt- und verbraucherpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag:

„Mehr als 80 Prozent der Abfälle aus dem Rückbau sollen auf den Mülldeponien des Kreises Bergstraße landen. Das ist die Folge des sogenannten Freimessungsverfahrens mit seinen viel zu hohen Grenzwerten.“

Nur ein kleiner Teil des Materials aus dem Rückbau des AKW Biblis würde in speziellen Lagern für radioaktives Material über viele Jahrhunderte so sicher wie möglich aufbewahrt werden. Mit Hilfe eines Messverfahrens – der Freimessung – würde bestimmt, welches Material auf ‚normalen‘ Deponien gelagert oder wiederverwendet werden dürfe. Kritiker würden diese Messverfahren für willkürlich halten, so Schott. Frau Petrick von der Atomaufsichtsbehörde in Wiesbaden habe gestern gesagt, dass die 10-Mikrosievert-Regel nachweislich überhaupt keine Gefährdung darstellen würde.

„Der vor circa 30 Jahren etablierte Grenzwert von 10 Mikrosievert ist entschieden zu hoch. So gelangen viele Abfälle mit erhöhter Radioaktivität auf normale Deponien. Wie wir auf Anfrage vom Umweltministerium erfahren haben, müsse über die Lagerung dieses ‚Mülls‘ noch nicht einmal Buch geführt werden, weil er ja laut Gesetz unbedenklich sei. Klar ist, dass bei einer Senkung des Grenzwertes die Abfallmenge, die auf speziellen Deponien gelagert werden müsste – und damit die Kosten für den Rückbau – deutlich ansteigen würde. Auch gäbe es eine solche Deponie bislang nicht. Vielleicht hält die Landesregierung auch aus diesen Gründen die Grenzwerte für die Freimessung für ausreichend, wie sie uns mitteilte.

Themen wie Freimessung, Lagerung von Abfällen und die fehlenden Sicherheitsbereiche für Castoren aus den Wiederaufbereitungsanlagen – sogenannte ‚Heiße Zellen‘ – ohne die ein Zwischenlager nicht betrieben werden darf, müssen im Rahmen des Informationsforums diskutiert werden. Die kritische Begleitung des Rückbaus durch die Umweltverbände und Bürgerinitiativen müssen die Moderatoren des Forums würdigen und nicht abmoderieren.“

Hinweis: Kleine Anfrage Wiederverwertung von schwach radioaktiven Abfällen aus dem Rückbau atomtechnischer Anlagen (Drs. 19/3196) anbei.